Die Finanzkrise als Innovationsmotor



Gestern habe ich Tina Tim in meiner Lieblingsbar getroffen.
Ich trank gerade Kakau.
Tina ist die geheimnisvolle Frau im Hintergrund internationaler Finanztransaktionen. Tina Tim ist natürlich ein Pseudonym. Natürlich kennt Tina auch die Lösung der Krise. Der Staat muß viel Geld für technisch anspruchsvolle aber völlig sinnlose Dinge ausgeben.

Historisch sind für sie der Bau der Pyramiden, der Kathedralenbau und die Mondlandung gelungene Beispiele. Dabei wurden völlig neue Produktzyklen, die sich vorher keine vorstellen konnte und die völlig sinnlos erschienen, erfunden. Nur heute würde es leider den PolitikerInnen an Visionen mangeln. Statt dessen würden sie das Geld in sinnvolle Investititonen stecken, die früher oder später sowieso notwendig gewesen wären und die dann später als Investititonen ausfallen würden. Auf diese Weise würde die Überproduktionskrise zum Dauerzustand.
Tina hat auch schon eine Idee, ihrer Lieblingsidee liegt die Logik der Demokratisierung zu Grunde.

Allen Menschen sollten bestimmte Organe, z.B. eine Hand, routinemäßig entfernt werden, um sie durch Kunstorgane zu ersetzen. Dafür ließen sich leicht Billionen ausgeben und es wäre absolut sinnlos. Das Wachstum wäre für einen langen Zeitraum gesichert. Die Kunstorgane könnten außerdem, ähnlich wie im Automobilbau oder beim Zahnersatz, in unterschiedlichen Leistungsvarianten angeboten werden.(1)
Bei mir löst diese Vorstellung Unbehagen aus. Ich möchte meine Hände und Füße behalten. Ich weiß, daß das völlig irrational ist, und doch. Ich bin für den Fortschritt einfach nicht reif. Anarchistinnen, wie ich, sind es, die die Überwindung der Wirtschaftskrise verhindern. Ich würde zum Abbau der Überproduktion lieber weniger arbeiten.
Ich weiß, daß das asozial ist.

Dabei hat Tina auch ein schlüssiges Konzept für die Armutsbevölkerung. Um die neuen Ausgaben zu finanzieren müssen die Ausgaben im Sozialbereich weiter gekürzt werden, - "das muß aber als Chance begriffen werden" -.
Zum Ausgleich soll der Staat neue innovative Tourismuskonzepte fördern, z.B. Slumtourismus.
Als echter Elebnisurlaub für das obere Drittel, mit zwei garantierten Überfällen und der Buchungsmöglichkeit einer Entführung. Alles nur gespielt aber lebensecht. Die SlumbewohnerInnen würden umgeschult zu VerbrechensdarstellerInnen und die OK würde für die Sicherheit der TouristInnen garantieren. Die SlumbewohnerInnen würden so zu UnternehmerInnen ihrer selbst. AlternativtouristInnen würden 2-Wochen Urlaub in einer Original-Hartz IV-Familie buchen und für Manager gäbe es den zweitägigen Intensivurlaub am Wochenende mit zehnstündigem Gefängnisaufenthalt inklusive Waterboarding.
Da es sich um die Armutsbevölkerung des eigenen Landes handelte, könnte auch niemand mehr den TouristInnen Rassismus oder postkolonialistische Ausbeutung vorwerfen.

Ich mußte Tina darauf hin gestehen, daß ich keine Lust hätte bayrisch sprechende TouristInnen zu entführen oder ManagerInnen zu foltern. Aber ich bin ja auch unnormal.
Meine Mitbewohnerin ist schon am überlegen, ob unser Keller für Entführungen taugt.
Der Fortschritt ist auch in unserer WG nicht aufzuhalten.


Ada - 2010 -




Fin













Impressum:


Und noch ein kurzer Text; Ich & die Finanzkrise






















Fußnoten

(1) Tina ist pessimistisch, was die Durchsetzbarkeit ihrer Idee heute angeht. Aber für die Zukunft hat sie Hoffnung. Und außerdem sieht sie sehr positive Entwicklungen in den Bereichen des Patent- und Urheberrechts und im Bereich der Buchhaltung. Hier würden mit unglaublicher Innovationskraft dauernd neue sinnlose Produkte entwickelt und politisch durchgesetzt, vor allem die EU ist hier führend.

(zurück zum Text)


























Zuletzt aktualisiert 30.05.10



Finanzkrise Innovation Lösung Krise Kapitalismus Raumfahrt Kathedralen Kunstorgane














Ich & die Finanzkrise

Kein Geld zu haben, finde ich ganz normal. Finanzkrisen sind für mich alltäglich.
Dafür muß ich nur in meine alte Kaffeemühle schauen, in der ich meine Bargeldreste aufbewahre, bzw. die Finanzkrisen folgen daraus, das ich nicht hineinschaue.

An sich ist die Finanzkrise ganz einfach zu verstehen. In der Kaffeemühle, einer alten aus Holz mit Metallbeschlägen, geerbt von meiner Großmutter, liegen bei mir die zur Zeit nicht genutzten Bargeldreserven. Da mir aber meist unterwegs einfällt, dass ich dies oder das nocht kaufen könnte, beleihe ich diese Finanzreserven durch Kredite bei FreundInnen. In der guten Hoffnung diese Kredite durch einen Griff in Kaffeemaschine tilgen zu können.
Im Laufe des Monats kommen so diverse Kredite zusammen für Latte Machiato, Schokolade oder Hosen.
Irgendwann schaue ich dann in die Kaffeemühle um die Kredite zu bedienen und erblicke mit Erschauern, dass meine Finanzreserven nur noch aus 1, 2 und 5 Cent-Münzen bestehen. Zwar ist die Kaffeemühle halb gefüllt und schwer, aber meine Finanzen reichen trotzdem mal wieder nicht um die Kredite zu bedienen.
Also muß ich zum Mittel der Umschuldung greifen.

Ich pumpe also eine Freundin um eine größeren Summe an, um die vielen kleinen Kredite auszuzahlen. Da ich Kleinkredite immer pünktlich auszahle ist der größere Kredit kein Problem.
Und ich habe hinter her meist noch liquide Mittel übrig. Da kann ich dann Alle, die mir was geliehen haben, zum Latte Machiato einladen.

Außerdem bleibt meine Kaffeemühle gefüllt.

Nur stapeln sich so immer mehr größere Summen, die wiederum von mir zusammengefaßt werden müssen, zu wirklich großen Krediten. Diese Kredite werden dann bei FreundInnen plaziert, bei denen ich bisher nichts geliehen habe, die aber immer von meiner guten Rückzahlungsmoral gehört haben.
Und wiederum behalte ich zusätzliche liquide Finanzmittel übrig mit denen ich alle GläubigerInnen zum Frühstück einladen kann.

Das klappt alles wunderbar.

Nur fürchte ich, das bald die große Finanzkrise ausbricht.

Dann werde ich wohl die Währung abwerten müssen, dazu muß ich nur die EZB (Europäische Zentralbank) überzeugen.

Das ist vermutlich die einfachste Lösung.










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