Beichte



Ich nehme keine Drogen. Nur Guarana und Schokolade - ich weiß, daß dies in keiner Weise hinreichend ist. Und dabei fühle ich mich nicht einmal schuldig, auch nicht angesichts dieses schuldhaften Gefühls der Schuldlosigkeit.

Dabei wäre es doch meine Pflicht mich gegen die Macht des medizinisch industriellen Komplexes zu stellen und das Monopol der ÄrztInnen durch freie Selbstmedikalisierung zu unterlaufen.

Ich will auch keine/n von ihren/seinen bunten Pillenträumen, chemisch lilaorange gefärbter Haut, Ökopsylopilzen oder der Eigengenmanipulation abhalten. Und doch habe ich immer noch damit Schwierigkeiten, die immer frühere Medizinalisierung von Kindern durch ÄrztInnen, Mütter und andere Bezugspersonen als ersten Schritt auf dem Weg einer freien und selbstbewußten Nutzung von Psychopharmaka und operativen Praxen zu begrüßen.
Ich bin für die Freigabe aller Tabletten, Tränke, operativer Praxen, usw.. Ich finde es albern SportlerInnen zu untersagen technische und chemische Hilfsmittel zu verwenden, ist dies doch ansonsten unser Alltag. Wieso sollte es keine EiskunstläuferInnen geben, die auch passend zur Musik ihre Hautfarbe wechseln. Ich schließe mich hier dem Plädoyer der moldawischen Poststrukturalistin Irina Gusewitsch an, dass sie auf dem Kongreß "Postmodern Times in the EAST" 10.- 12.8.2003 in Berlin zum Abschluß ihres Beitrages hielt. [Für die Übersetzung danke ich Maria Bauer.]

"Ausgehend von Haraway [feministische Philosophin - USA] plädiere ich für die Cyborglympics. Sportlerinnen mit künstlichen Armen, Zusatzfunktionen und natürlich maximal chemisch gedopt. Geschlecht und selbst körperliche Behinderungen würden so keine Rolle mehr spielen - kein unsinniger (Sozial)Rassismus. Es wäre ein wirklich spannender und offener Wettbewerb, und käme auf die optimale Zusammenwirkung mit der individuellen Technik an. Nicht mehr dieser bigotte verlogene faschistische "gesunder Körper - gesunder Geist"-Wahn, sondern Phantasie und Technik an die Macht. Würde es Sie nicht auch reizen zu fliegen oder sich mit Pillen so aufzupumpen, daß sie laufen wie im Flug. Oder stellen Sie sich nach der Musik die Farbe wechselnde Eiskunstläufer vor. -
Streichen Sie bitte die letzte Bemerkung, trotz Scherz meine ich dies durchaus ernst. Das derzeitige disziplinatorische Körper- und Menschenbild des Sportes und die Anbetung der Arbeit-Leistungs-Ideologie ist allemal menschenfeindlicher als jede Cyborgisierung.
Wir müssen dem totalitären Humanismus mit seinen Reinheitsidealen und faschistischen Ausschlüssen entgegentreten."
(Irina Gusewitsch 08/2003)

Trotzdem will ich diese Dinge nicht für mich, ich halte sie nun mal für hoffnungslos altmodisch, für technologische Umsetzungen der utopischen Träume unser Urgroßeltern.
Für mich will ich nur die Freiheit NEIN sagen zu können, ohne mich vor ÄrztInnen, Verwandten und anderen Teilen des Gesundheitskartells rechtfertigen zu müssen. Ich nehme keine Drogen, auch nicht ihre. Ich nehme auch keine Vitamintabletten, gehe nicht zu Vorsorgeuntersuchungen und messe meinen Blutdruck nicht.

Ich trinke lieber meine Schokolade und fühle mich trotz Schuld schuldlos, verantwortungslos wie ich bin.

Und manchmal treffe ich mich mit anderen, die auch NICHTS nehmen, in dunklen Kellern um zu tanzen.

Und dann ist es mir auch noch egal, ob Ihr mir vergebt.


Ada


Fin











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Und noch ein kurzer Brief; Post von einer lieben Freundin - Cyborg

























Zuletzt aktualisiert 30.05.10



Haraway, Cyborg. Ein Text zur Eigegenmanipulation, Ökopsylopilzen, der moralischen Verpflichtung zum Drogengebrauch, Donna Haraway und dem medizinisch industriellem Komplex - zu den Themen: Drogennutzer, Rausch, Rauschmittel, Drogenfreigabe, Drogen, Medikamente, Cyborg, Lust, Genuß, Freiheit










Post von einer lieben Freundin - Cyborg

Liebe Ada,

ich bin eine Cyborg.

Ich hoffe ich entäusche nicht Deine fleischlichen Phantasien.
Aber virtuelle Cyborg zu sein hat auch Vorteile.
Außerdem ist doch Liebe und Körperlichkeit heute eh auch virtuell, also so im Vertrauen von Cyborg zu Biomischwesen.
Außerdem macht es ja auch Spaß zu täuschen, oder?

Zumindest muß ich mir als virtuelle Cyborg keine Sorgen um die Rente machen.
Und Bankenkrise und Ölpreis betreffen eine Cyborg auch nur am Rand.

An sich fühle ich mich als Cyborg ganz wohl und werde wohl auch zukünftig dabei bleiben.

Alles Liebe









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