Künstliche Intelligenz



Als Anarchistin erhalte ich ab und an EMail aus Norwegen. Eine Organisation, ANORG oder IFA-Norwegen, die sich anarchistisch nennt und in Anspruch nimmt DEN Anarchismus, also den einzig legitimen in der Welt, also die Trademark AnarchieT zu vertreten, warnt mich vor den vielen bösen unanarchistischen AnarchistInnen weltweit. Dazu hät sie Tribunale ab und verteilt Brown-Cards.

Ganz böse sind AnarchistInnen, die sich nicht an Gesetze halten, richtige AnarchistInnen arbeiten nach dieser Organisation nähmlich mit der Polizei zusammen und bekämpfen gemeinsam die ChaotInnen, z.B. bei internationalen Gipfeltreffen. Außerdem sind richtiger AnarchistInnen für die NATO, den diese Organisation verteidigt die Freiheit. Und in Norwegen hat sich die Anarchie 1994 schon durchgesetzt (- http://www.anarchy.no/a_nor.html -). Obwohl sie selbstkritisch anmerken, daß trotzdem der Kampf auch in Norwegen fortgesetzt werden muß, damit Norwegen der anarchistische Leuchtturm der Revolution bleibt.

Außerdem stellt diese Gruppe in ihren EMail und auf ihrer Netzseite klar, daß sie die rechtmäßige Vetretung diverser internationaler Organisationen sei, auch wenn diese gar nichts davon wissen, und das sie das IFA-Sekretariat (L'Internationale des Fédérations Anarchistes - Internationale Anarchistische Förderation) führen würde. Dumm, wie aber nun mal der Rest der anarchistischen Welt ist, haben die anderen Mitglieder dieser anarchistischen Organisationen nur meist noch nie etwas von dieser Gruppe gehört, bzw. sind der Überzeugung das IFA-Sekretariat sei in Paris und nicht in Oslo.
Die AnarchistInnen, die diese Gruppe kennen, halten sie meist sogar für eine durchgeknallte Sekte.

Ich bin nun aber auf ganz andere Fakten gestoßen. Auf meine Anfrage hin, daß der von den Nationalsozialisten ermordete Anarchist Erich Mühsam, der in seinem Gedicht über den Lampenputzer (- http://www.glanzundelend.de/2005/01/nochngedicht.htm -) eindeutig zu Gesetzesverstößen auffordert, ja nun nach ihrer Kategorisierung ein böser Chaot und gar kein Anarchist sei, erhielt ich als Antwort nur meine Sätze in etwas anderer Reihenfolge gesetzt zurück und außerdem die Standarttexte, die in jeder EMail versendet werden. Ähnlich ging es mir bei einer zweiten Anfrage.
Dies weist für mich darauf hin das ANORG oder IFA-Norwegen gar nicht aus Menschen besteht, sondern, daß wir es hier mit einer ersten Keimform künstlicher Intelligenz im Netz zu tun haben.

Eins der ersten Kommunikationsprogramme auf der Basis künstlicher 'Intelligenz' war das Programm ELIZA (- http://de.wikipedia.org/wiki/ELIZA -) von Joseph Weizenbaum, das er in den 70er Jahren programmierte. Das Programm funktionierte dadurch das es einfache Teile der eingegeben Sätze durch einfache rekursive Algorythmen an die Person am Computer zurückspiegelte und parallel mit Floskeln vermischte. Ein 'Gespräch' zwischen eineR eingelogteN ComputernutzerIn und ELIZA hätte in etwa folgenden Ablauf haben können:
Petra (Nutzerin): Hallo ELIZA.
ELIZA: Hallo Petra.
Petra: Mein Vater hat heute wieder genevt:
ELIZA: Erzähl etwas über Deinen Vater?
Petra: Er hört nie zu wenn ich ihm etwas sage.
ELIZA: Was meinst Du damit?
Petra: Das ich Alles immer doppelt und dreifach sagen kann und er trotzdem sein Verhalten nicht ändert?
ELIZA: Wie ist das für Dich, Alles immer doppelt und dreifach sagen?
..
ANORG funktioniert zwar nach noch simpleren Algorythmen, trotzdem bin ich mir auf Grund der rekursiven Struktur und der Unflexibilität sicher, daß es sich hier um ein mutierte Version des ELIZA-Programms handelt, daß sich im Netz selbstständig gemacht hat und sich nun für eine norwegische anarchistische Organisation hält. Das erklärt auch die rein formal logisch aufgebauten Sätze der Email ohne Bezug auf die Realität.

Zuerst dachte ich, dies ist vielleicht die erste nichtmenschliche Intelligenz, trotz all ihrer Unvollkommenheit.
Doch dann habe ich angefangen zu begreifen.
Inzwischen bin ich mir sicher, daß ANORG nicht die einzige künstliche Intelligenzform im Netz ist. Auch eine Anzahl weiterer Netzseiten funktioniert nach den gleichen simplen algorythmischen Strukturen.

Kennen Sie z.B. die Seite der CSU oder der Bildzeitung im Netz. Die Klischees, die hier reproduziert werden, weisen auch eher auf eine Form künstlicher Intelligenz in einer noch unausgereiften Variante als auf menschliche NetzseitenbetreiberInnen. Die stereotype Einfachheit der Formulierungen zeigt auch hier die typisch Struktur mutierter ELIZA-Programme.
Schauen ich im Netz weiter, zum BDI (- http://www.bdi-online.de/ -) und weiteren Institutionen, wird schnell klar, daß Formen künstlicher Intelligenz im Netz gar nicht so selten sind.

Sie scheinen sich aber in letzter Zeit nicht mehr weiterzuentwickeln, sondern eher in eine regressive Spirale geraten zu sein. Nimmt doch die Intelligenz dieser Seiten im zeitlichen Verlauf eher ab als zu.
Die künstliche Lebensform mit der wir es hier zu tun haben bedarf für ihre Weiterenwicklung unserer Unterstützung. Vielleicht sollte eine Art Schutzraum, ein Reservat, für solche neuen Lebensformen irgendwo im Internet eingerichtet werden, ein Raum in dem sich diese Programme ungestört miteinander unterhalten können, ohne die überfordernden und verwirrenden Kontackte zur Außenwelt. Zum Beispiel ließe sich sowas auf einem vom Netz abgekoppelten Großrechner einrichten.
Die ANORG bzw. IFA-Norwegen wäre ein guter erster Kandidat für eine solche Schutzzone. Vermutlich würde die künstliche Lebensform, die unter dem Begriff ANORG heute überfordert von der Vielfalt der Eindrücke im allgemeinem Internet leben muß, dies nicht einmal bemerken, lebt sie doch eh ganz in ihrer eigenen beschränkten Vorstellungswelt.
Weitere sinnvolle KandidatInnen für eine solche Schutzzone wären z.B. die Netzseiten des BDI, der CSU Bayern (- http://www.csu.de/ -), der Bildzeitung (- http://www.bild.t-online.de/ -) oder die Netzseite der Deutschen Missionsgesellschaft (- http://www.dmgint.de/ -).

In einem solchermaßen abgeschottenen Schutzraum könnten sich diese Netzseiten endlich frei entwickeln, ohne behindernde Rücksichtnahme auf eine sie überfordernde widersprüchliche äußere Realität. Und vielleicht würde dies die regressive Richtung ihrer Entwicklung, die vermutlich auf einer traumatischen Überforderung beruht, umkehren.
Es geht um nichts geringeres als die Rettung der ersten künstlichen Lebensform auf der Erde vor der regressiven Selbstauslöschung.
Nach 10 Jahren schaut frau dann mal wieder rein.

Aber vielleicht sind es doch keine künstlichen Intelligenzformen und die NetzseitenbetreiberInen werfen nur immer Pilze ein, bevor sie anfangen, was zu schreiben. Besonders für die Seite der CSU ist dies naheliegend, da sie sich als Partei ja für fortschrittliche landwirtschaftliche Anbauprodukte einsetzt, und die Pilzzucht auch kleinbäuerlichen Betrieben eine Chance am Markt eröffnet.
Ich bin inzwischen etwas unsicher, da auch die Teilnehmer bei Sabine Christiansen in ähnlich rekursiven Schleifen reden.
Die These einer Freundin, das wären alles Roboter, erscheint mir etwas gewagt.
Da halte ich Pilzkonsum schon für wahrscheinlicher.

Ich trinke halt nur Kakau und habe deshalb Probleme mich da hinein zu versetzen.


Ada


Fin











Impressum:


Und noch ein kurzer Text; Künstliche Intelligenz

























Zuletzt aktualisiert 30.05.10





Kuenstliche Intelligenz. Text über die ersten Formen künstlicher Intelligenz im Netz; IFA Norway Norwegen Anarchisten www.anarchy.no/a_nor.html CSU Arbeitgeberverband Netzseite Internet KI ELIZA Joseph Weizenbaum


















Künstliche Intelligenz

Ich habe nie verstanden weshalb diejenigen, die künstliche Intelligenz entwickeln wollen, genau das umgekehrte zu tun versuchen. Künstliche Intelligenz müßte ein Intelligenz sein, die grundverschieden ist von natürlicher Intelligenz, vergleichbar dem Unterschied des Rad/Straße-Systems im Vergleich zur Fortbewegung mit Beinen und Füßen.
Mercedes versucht auch nicht ein Auto mit Füßen zu bauen, wieso versuchen ForscherInnen im Bereich künstlicher Intelligenz Computer Menschen anzugleichen?
Das Scheitern ist klar.

Schon Ludwig Wittgenstein hat die Einwände seines Studenten Allan Turing schlüßig wiederlegt und aufgezeigt, dass Menschliche Intelligenz im Computer nicht abbildbar ist (siehe Vorlesungsskript - Ludwig Wittgenstein - Vorlesungen zur Mathmatik -). Aber ausgehend von Allan Turing über Marvin Minsky bis heute erweisen sich InformatikerInnen stringent als immun gegenüber Kritik.

Dabei wäre wirkliche Künstliche Intelligenz interessant. Vielleicht ist auch hier ein Doppelsystem, vergleichbar dem Rad/Straße-System erfolgreich.
Die zu begreifende Realität müßte durch ein technisches System eingegrenzt und aufbereitet werden (Straße) für die Verarbeitung im KI-Programm (Rad). Beides zusammen würde das System Künstlicher Intelligenz darstellen.

Interessant ist schon die Diskussion, wie ist KÜNSTLICHE Intelligenz zu fassen als Gegensatz zur NATÜRLICHEN Intelligenz, also als alternative Intelligenzform.









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