Maskulinisten


Maskulinist: Mann mit mangelnden Selbstwertgefühl auf Grund der Erfahrung des Ausschlusses aus und der Abwertung durch männliche Bezugsgruppen, der seine Position in diesen männlichen Hierarchien durch heterosexuell konnotierte männliche Körperformierung und Dominanzgebahren gegenüber Frauen aufzuwerten versucht, statt gemeinsam mit Feministinnen gegen die heterosexistische Dominanzkultur zu kämpfen, die auch ihn ausgrenzt und abwertet.


Eine gute Bekannte von mir meint, das viel Maskulinisten unter Stockholmsyndrom leiden würden. In Peergroups männlicher Kinder und Jugendlicher würden Hierarchien wesentlich über eine Körpersprache sexualisierter Gewalt hergestellt. Die untergeordneten Jungen würden symbolisch zur Frau gemacht, z.B. durch Zugriffe auf den Körper des untergeordneten Jungen, das Umfassen von hinten oder sprachliche sexualisierte Abwertungen: "Ich fick dich." Die Gesellschaft liefert männliche Kinder und Jugendliche diesen Gewaltverhältnissen bis heute weitgehend schutzlos aus und bagatellisiert sie.

Dies führt, vergleichbar dem als Stockholmsyndrom beschrieben Verhaltensmustern von Entführungsopfern (Identifikation mit den TäterInnen), zur völligen Unterordnung der männlichen Kinder und Jungen, die diese Gewalt erfahren, unter die heterosexistische männliche Tätergruppe. Sie machen sich die Weltsicht der dominanten männlichen Peers, denen sie sich hilflos ausgeliefert fühlen, zu eigen. Da sie innerhalb der männlichen Peergroup kaum Möglichkeiten haben, ihre Stellung zu verbessern, versuchen sie durch Frauenverachtung und Homophobie ihre Stellung zumindest gegenüber einer als minderwertig definierten äußeren Welt zu sichern. Dabei agieren sie die, selbst erfahrenen, heterosexistischen Übergriffe und Abwertungen gegenüber dem nicht männlichen Außen aus, um ihre Männlichkeit zu bestätigen. Statt die Gewaltstrukturen, die sie erlitten haben, zu bekämpfen, projizieren sie auch als Erwachsene all ihre Ängste und ihren Hass auf das Außen der teils nur imaginären männlichen Bezugsgruppe. Homophobie, Frauenverachtung, körperliche männliche Aufrüstung oder gar Bewaffnung treten so an die Stelle eines Kampfes gegen die, selbst erfahrene, entmenschlichende Struktur männlicher Sozialisation in der heterosexistischen Kultur.

Das ich meiner Bekannten diese Erklärung glaube liegt aber nur daran, dass ich als Frau Teil der Verschwörung der Frauen gegen die Männer bin. Eine Verschwörung, die so untergründig arbeitet, dass ich selbst gar nicht wusste, dass ich da Mitglied bin - halt typisch für Frauen. Die Maskulinisten haben sich nun aber zum Ziel gesetzt, die Menschen über diese Verschwörung aufzuklären, insbesondere ihre männlichen Geschlechtsgenossen. In Wirklichkeit sind die Männer die eigentlichen Opfer des Sexismus. Und die einzigen wirklichen Sexistinnen sind die Feministinnen.

Und der Hinweis auf die Verbrechens- und Gewaltstatistiken ist einfach unstatthaft. Einen Zusammenhang zwischen Heterosexismus und Gewalt gegen Frauen herzustellen ist nichts als eine feministische Verleumdung. Maskulinisten wissen, dass Männer mindestens eben so häufig Opfer der Gewalt von Frauen werden, dies wird in den Statistiken nur verschwiegen.

Die geringe Zahl an Männern, die nach der Statistik jährlich Opfer von Tötungsdelikten weiblicher (Beziehungs)Gewalt werden und die einer wesentlich höheren Anzahl von Frauen gegenübersteht, die von Männer getötet wurden, muss dann, schlussfolgere ich, dadurch zu erklären sein, das Frauen die Leichen der Männer, die sie ermorden, einfach geschickter zu entsorgen wissen und diese in der Statistik deshalb nicht auftauchen. Außerdem sind, folge ich der Logik der maskulinistischen Männerbewegung, viele Frauen vermutlich nur von der Leiter gefallen, ohne das der Mann irgendetwas getan hat, und dann haben sie nach ihrem Tod diesen Unfall ihrem Mann in die Schuhe geschoben.

Und nur weil ich eine Frau bin, stößt mir diese Logik auf.

In diesem Fall will ich daran aber gar nichts ändern und selbst ein Becher Kakau reicht diesmal nicht, um mich zu beruhigen. Ich bin wohl doch Teil der Verschwörung - zumindest gegen diese Form toxischer Männlichkeit.


Ada - Hannover, 2018 -


Nachsatz: Statt 'Arme Ritter' gibt es jetzt 'Arme Männer' zu essen. Rezept: Zutaten - Alte Nudeln (mindestens 3 Tage alt) - 1 angebrochene Packung Scheiblettenkäse - 1 Rest Harte Mettwurst - 1 Becher Saure Sahne - Pfeffer, Salz. Die Saure Sahne ist in der Regel das einzige, was zugekauft werden muss, alles andere findet sich in Kühlschrank und Küche eines richtigen Mannes.
Ein für den Backofen geeignetes Gefäß mit etwas Magarine einfetten (alternativ Butter oder Öl), Nudeln in das Gefäß geben, Mettwurst würfeln und zusammen mit der Sauren Sahne unter die Nudeln rühren, Pfeffer und Salz zufügen, Hälfte der Masse anheben und die Hälfte der Scheibletten einfügen, dann mit dem Rest der Scheibletten die Nudeln abdecken. Im Backofen bei mittlerer Hitze solange backen lassen bis der Käse an den Rändern zerläuft und kross wird. Alternativ zur Mettwurst kann auch Leberwurst in die Nudelmasse eingerührt werden. Das Gericht kann auch noch mit Gemüsezwiebeln und frischen Kräutern verfeinert werden, die gehackt zusammen mit der sauen Sahne untergerührt werden - diese müssen aber meist zugekauft werden.


Fin











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Und noch ein kurzer Text; Der Bauchling eine Subspezies der Männerbewegung


















Zuletzt aktualisiert 30.07.18





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Der Bauchling eine Subspezies der Männerbewegung

Die Bauchlinge als Subspezies der Männerbewegung und des Maskulinismus sind vor allem in den sich selbst als intellektuell klassifizierenden Habitaten der Mann männlichen Selbstbespiegelung anzutreffen. Zur Zeit tritt der Bauchling verstärkt im Habitat der AFD auf. Da der Bauchling als rein männliche Spezies auf die ungeschlechtlich Vermehrung angewiesen ist, ist sein Bestand starken Schwankungen innerhalb der Männerbewegung unterworfen.

Das Reden und Handeln der Bauchlinge wird von dem, was sie für ihre Gefühle halten, bestimmt, also von ihrer Verdauung und ihrem Bauch. Eine besondere Bedeutung innerhalb dieser Subspezies der Männerbewegung kommt den neoromantischen Bauchlingen zu, die besonders in Feuilletons und auf Buchmessen zu finden sind. Der neoromantische männerbewegte Bauchling fordert, dass Männer ihre Minderwertigkeitsgefühle durch Protzverhalten und asoziale Aggression und Rücksichtslosigkeit ausleben sollten. In der Sprache der Bauchlinge heißt das, Männer sollen ihre Selbstverzwergung als Mann überwinden. Außerdem müssten Männer endlich wieder ihren Gefühlen folgen und das männliche Verlangen nach Selbstverstümmelung und der Verstümmelung anderer in Krieg und Kampf für Volk und Vaterland zulassen, statt ihre Männlichkeit zu unterdrücken.

Karla meint dazu: "Es ist doch ein alte Forderung der Frauenbewegung, dass Männer ihre Gefühle zulassen sollen."

"Hmm, dass kommt auf die Gefühle an, die z.B. ein neoromantischer männerbewegter Mann wie Simon Strauss wiederentdeckt und herausläßt."

Der Maskulinist, der als Bauchling meint, ganz Gefühl zu sein, ist, da er Gefühl durch reaktionäre Gefühligkeit ersetzt und sich selbst dabei in sexistischen Männlichkeitsklischees vergangener Zeiten verliert, in Realität fühllos.