Die ALDI-Universität



Ihr kennt sicher auch die zukunftsweisenden Forderungen von Wissenschaftlern, Altpolitikern und anderen weisen Männern. Besonders in der Bildungspolitik lassen sich da viele Forderungen finden.

'Die immer komplexer werdenden Entscheidungsprozesse erfordern auch auf der Ebene der Betroffenen vermittelnde Aktive mit einer immer höheren fachlichen Kompetenz und der Bereitschaft und zeitlichen Flexibilität zu zeitaufwendigem politischen und sozialen Engagement um die Partizipation an demokratischen Entscheidungsprozessen zu gewährleisten. Die Gesellschaft ist für die Sicherstellung demokratischer Entscheidungsprozesse also auf ein größer werdendes Potential von Menschen mit einem hohen Maß an freier Zeit, fachlicher Kompetenz und der Bereitschaft zum politischen und sozialen Engagement angewiesen.'

'Die Veränderung der Familienstruktur hin zu einer gleichberechtigten Verantwortlichkeit für Haushalts- und Familienarbeit erfordert Menschen mit der Bereitschaft für längere Zeiten die beruflichen Interessen hinten an zu stellen ohne auf ein Arbeitsverhältnis oder Studium ganz zu verzichten.'

'Die zunehmenden Wechselwirkungen von Naturwissenschaft, Technologie und Gesellschaft erfordern StudentInnen, die sich in ihrem Studium nicht auf den schmalen Horizont eines Faches beschränken.'

'Die Globalisierung erfordert Menschen, die sich neben ihrer fachlichen Ausbildung ausreichend Zeit nehmen interkulturelle Erfahrungen zu sammeln, z.B. durch nicht touristische und nicht auf das Enge Feld der Universitäten bezogene längere Aufenthalte im Ausland.'

'Als ein Problem der Wissenschaft und der universitären Ausbildung hat sich außerdem im letzten Jahrzehnt der Verlust des Bezuges zur gesellschaftlichen Alltagsrealität verstärkt. Notwendig sind deshalb StudentInnen, die sich neben ihrem Studium ausreichend Zeit für andere Dinge nehmen, seien das Arbeitsverhältnisse oder die eigene Persönlichkeitsentwicklung.'

Nun gibt es eine Gruppe unter den StudentInnen, die diese Forderungen über Jahre erfüllt haben. Langzeit- und TeilzeitstudentInnen haben über Jahre,

- ihr Studium mit politischem und sozialem Engagement verknüpft,

- sich die Zeit genommen, ihr Fachwissen auf der Metaebene auf einfließende gesellschaftliche Vorurteile, Rassismus, Sexismus, u.a. hin zu untersuchen und die Wissensproduktion in gesellschaftlicher Verantwortung zu praktizieren,

- Studium und Arbeit mit gleichberechtigten, sozial verantwortlichen neuen Formen der Familienorganisation in Übereinklang gebracht,

- ein interdisziplinäres Studium betrieben,

- sich die Zeit genommen, um sich auf Reisen interkulturelles Wissen anzueignen,

- parallel zum Studium gearbeitet und so eine enge Verknüpfung des Studiums mit realer Alltagspraxis hergestellt,

- sich selbst und andere Menschen als vielschichtige Persönlichkeiten ernstgenommen und sich dementsprechend Zeit zur Entwicklung ihrer vielschichtigen Fähigkeiten gelassen.


NormalstudentInnen bleibt für alle diese Dinge keine Zeit, sie sind im Regelfall egoistische EgozentrikerInnen.
Langzeit- und Teilzeitstudierende müßten also durch die Bildungspolitik gefördert werden. Das entspricht aber irgedwie nicht der Realität. Im Gegenteil die Bildungspolitik setzt überaschenderweise alles daran ein Kurzzeitstudium zu fördern.
Irgendwas muß ich da mißverstanden haben.
Aber was?
Oder haben einfach die Bösen gewonnen?
Das kann doch nicht sein.

Eine andere Forderung ist seit Jahren die nach der Erhöhung der Studierendenquote in Deutschland. In fast allen europäischen Ländern studiert ein höherer Prozentsatz im gleichen Alter. Auch die Studierendenquote wurde aber durch die Einführung von Studiengebühren weiter drastisch gesenkt. Durch die Streichung der 13ten Klassenstufe in der Schule wurde dieser Effekt aber mehr als ausgeglichen, da damit in einem Jahr zwei Jahrgänge mit dem Studium beginnen.
Um die Studienquote halten zu können müßten nun aber konsequent weitere Schuljahre gekürzt werden. In 12 Jahren würden Kinder dann nach der ersten Klasse ihr Studium beginnen.
Dies würde natürlich viele Probleme, die heute in der Schulausbildung bestehen, beseitigen. Auch die Ungleichheiten beim Zugang zu einem Studienplatz wären damit hinfällig. Und die Länder könnten Lehrkräfte in erheblichen Maß einsparen. Ausgehend von dieser Politik begreife ich nun auch die Förderung eines Kurzzeitstudiums. Kleinen Kindern von 6 bis 7 Jahren ist kaum ein Studium über 5 oder 6 Jahre zumutbar, ein Kurzzeitstudium ist für sie das einzig richtige. Die unterschiedlichen Maßnahmen der Bildungspolitik sind also durchdacht aufeinander abgestimmt.

Eine Bekannte, die im AStA einer Universität im hochschulpolitischen Referat mitarbeitet, meinte aber, ich hätte da immer noch was mißverstanden.

Aber mir erscheint dies Alles sowieso nicht so richtig atraktiv. Die Abschaffung der Schulen im heutigen Sinn ist zwar eine alte anarchistische Forderung, aber ich habe dies immer als Forderung zur Organisation freierer selbstbestimmter Lernformen für Kinder begriffen, im Sinn von Antpädagogik, und wollte nicht Kinder in die Uni schicken. Und als Anarchistin will ich natürlich auch die Universitäten abschaffen und durch selbstorganisierte Bildungssyndikate ersetzen. Ihr seht ich bleibe eine unverbesserliche Anarchistin und wohl deshalb leuchten mir diese Reformen nicht ein.
Auch Überlegungen zur Lösung eine ALDI-Uni einzuführen - hier ist alles billig, billig, teuer ist verboten - in der sich dann auch die nicht so Betuchten eine Ausbildung in der praktischen Fertigpackung leisten können, ist nicht das, was ich will.

Ich bleibe halt rückschrittlich, wie ich bin, anspruchsvoll und kompliziert.


Ada


Fin











Impressum:


Und noch ein kurzer Text über; Langzeitstudiengebühren

























Zuletzt aktualisiert 30.05.10





Studiengebühren. Ein Text über die Doppelzüngigkeit der Bildungspolitik, über; Langzeitstudenten Langzeitstudierende ALDI-Uni Universität Leistungsideologie Langzeitstudium Teilzeitstudium gesellschaftliche Verantwortung Studium käufliche Wissenschaft
















Langzeitstudiengebühren

Die Langzeitstudiengebühren wurden nicht auf Grund der genannten Gründe eingeführt.

Schon die Regierung Albrecht in Niedersachsen versuchte Langzeitstudiengebühren einzuführen und scheiterte am Widerstand der Studierenden und ihrer Abwahl. Die nachfolgende rotgrüne Regierung in Niedersachsen hatte vorab auch Langzeitstudiengebühren explizit abgelehnt.
Selbst der Presse war zu diesem Zeitpunkt klar, daß auch Langzeitstudiengebühren falsch sind.

Dies alles wurde von niedersächsischen PolitikerInnen Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre und den Mainstreanmedien auch so zugegeben, nachdem die Regierung Albrecht mit ihrem Versuch der Einführung von Langzeitstudiengebühren gescheitert war. Auch Gerhard Schröder kannte und nannte all diese Argumente gegen Langzeitstudiengebühren und gewann damit die Wahl, dies hinderte ihn aber nicht eben dieselbe Politik der Einführung von Langzeitstudiengebühren 10 Jahre später selbst wider besseren Wissens rechtspopulistisch zu betreiben. Die Medien schalteten sich selbst gleich, kritische Kommentare wurden zensiert (daß heißt, kritische Kommentare von JournalistInnen wurden in den Redaktionen kassiert bzw. die JournalistInnen gezwungen sie umzuschreiben).

Die Art und Weise der Einführung von Langzeitstudiengebühren zeigt deutlich, daß parlamentarische Demokratie nicht funktioniert. Das eigentlich Ziel der Langzeitstudiengebühren, die Einführung eines Schmalspurstdium und die Verschlechterung der Ausbildung eines erheblichen Teils der Studierenden, um sie leichter am Arbeitsplatz zu schlecht bezahlten Konditionen vernutzen zu können, wurde gar nicht benannt, statt dessen wurden bewußt falsche Aussagen vorgeschoben. Eine öffentliche Auseinandersetzung wurde in den konzerngesteuerten Medien unterbunden.

Widerstand muß von Unten direkt organisiert werden, nur dann gibt es überhaupt eine offene und freie Diskussionen, also eine politische Azuseinandersetzung.









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